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Sprech- und Sprachstörungen bei Kindern und Jugendlichen

Definition: 

Die Sprech- und Sprachauffälligkeiten im Kindesalter können unterschiedliche Symptome und Ursache haben. Es können Störungen im Bereich der Sprachentdeckung, des Sprachverständnis, des Wortschatzes, der Aussprache, der grammatikalischen Entwicklung, und des Erzählens auftreten. Aber auch Störungen des Redeflusses, der Hörverarbeitung (auditiven Wahrnehmung), der Stimme und des Lese- und Schreiberwerbs zählen dazu. Die Sprachentwicklung muss hierbei aber immer im Rahmen der Gesamtentwicklung betrachtet werden. Von einer Störung wird dann gesprochen, wenn der Rückstand zur durchschnittlichen Sprachentwicklung 6-12 Monate beträgt und/ oder die Kommunikation im Alltag sehr stark beeinträchtigt ist.

Ursachen: 

Die Ursachen hierfür sind sehr unterschiedlich. Die Störungen haben oftmals mehrere Ursachen. Teilweise können diese aber auch nicht eindeutig ermittelt werden. Häufig sind parallel auch nicht-sprachliche Entwicklungsbereiche betroffen.

Folgende Beeinträchtigungen können zu einer Störung der Sprachentwicklung beitragen: 

  • Häufige immer wiederkehrende Mittelohrprozesse im frühen Kindesalter 
  • Beeinträchtigungen des Hörvermögens
  • Allgemeine Entwicklungsverzögerung/ - störung 
  • Fehlbildungen im Gesichtsbereich (z.B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten) 
  • Mangelndes Sprachangebot im sozialen Umfeld
  • Genetische Faktoren/ Vererbung  
  • Mentale Retardierung
  • Intelligenzminderung
  • Frühkindliche Hirnschädigungen
  • Psychische Beeinträchtigungen wie z.B, ADHS, ADS, Autismus 

Was geschieht in der Therapie? 

Untersuchung: Es erfolgt ein ausführliches Erstgespräch mit den Eltern (Anamnese), in diesem werden Fragen zur bisherigen Sprachentwicklung und allgemeinen Entwicklung gestellt. Danach erfolgt die Befunderhebung, in der alle sprachlichen Bereiche erfasst werden. Um eine genaue Aussage über den sprachlichen Entwicklungsstand zu ermöglichen werden aussagekräftige standardisierte Testverfahren, Screeningverfahren und die Analyse der Spontansprache kombiniert. Die ausführliche Diagnostik ermöglicht dann eine genaue und objektive Aussage über den Stand der Sprachentwicklung und die notwendigen Therapiebereiche. 

Therapie: Kinder erreichen mit Spaß und Spiel ihre Ziele. Es werden je nach Störungsbild individuelle Übungen zusammengestellt. Die Ziele werden spielerisch mit dem Kind erarbeitet. Es erfolgen je nach Störungsbild Hörübungen, Zungen- und Lippenübungen und Sprech- und Sprachübungen. Die Übungen bauen kleinschrittig aufeinander auf und nähern sich nach und nach der alltäglichen Sprache an. Jedes Kind erhält eine Übungsmappe und erhält kontinuierlich Übungen zur Festigung mit nach Hause.

Beratung: Die Beratung der Eltern und des sozialen Umfeldes ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Am Ende jeder Stunde werden den Eltern die Inhalte der Stunde erklärt und die Hausaufgaben erläutert. Sie werden auch intensiv bezüglich eines allgemein sprachfördernden Verhaltens beraten. Häufig sind auch längere Elterngespräche notwendig, um über die bestmögliche Förderung im Alltag zu sprechen. Gemeinsam mit den Eltern wird bei Bedarf auch überlegt welche Form des Kindergartens und welche Schulform die beste Förderung für das Kind bieten. Durch die intensive Beratung werden die Eltern zu "Co-Therapeuten" und tragen entscheidend zu raschen Therapieerfolgen bei!

Interdisziplinärer Austausch: Die Zusammenarbeit und der fachliche Austausch mit z.B. Ärzten, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten/-innen, Psychologen/-innen, Familientherapeuten/-innen, Heilpädagogen/-innen, ErzieherInnen, LehrerInnen ist ebenfalls ein wichtiger und notwendiger Bestandteil der Therapie. 

 

Eine Störung der Sprache liegt vor, wenn... 

Eine Störung der Sprache liegt dann vor, wenn die Leistungen nicht der so-genannten "Altersnorm" entsprechen. Die ist der Fall, wenn in der Sprachproduktion ein zeitlicher Rückstand von einem Jahr und im Sprachverständnis ein Rückstand von einem halben Jahr vorliegt. Mit Hilfe umfassender Testungen, können wir den sprachlichen Entwicklungsstand in unserer Praxis genau feststellen. 

Folgende Störungen können auftreten... 

  • (Spezifische) Sprachentwicklungsstörungen (SSES): Bei diesen Störungen sind mehrere sprachliche Bereiche betroffen. Es können hierbei Störungen des Wortschatzes, des Sprachverständnis, der Grammatik, der Aussprache, des zusammenhängenden Erzählen und/ oder der Hörverarbeitung auftreten. Man spricht von einer spezifischen Sprachentwicklungsstörung, wenn keine primäre Ursache (wie z. B. Hörstörung, Hirnschädigung, Intelligenzminderung) vorliegt.
  • Störung des Wortschatzes: Man unterscheidet den passiven und aktiven Wortschatz. Der passive Wortschatz beschreibt das Verstehen von Wörtern. Der aktive Wortschatz bezeichnet die aktiv gesprochenen Wörter. Von einer Störung im Kleinkindalter kann dann gesprochen werden, wenn mit 24 Monaten noch nicht 50 Wörter aktiv verwendet werden. Das Kind wird dann offiziell als „Latetalker“ bezeichnet. Eine Störung im Kindergarten- und Schulkindalter äußerst sich dadurch dass das Kind viele Wörter nicht ausreichend versteht und neue Wörter sehr langsam erlernt. Außerdem kann beobachtet werden, dass das Kind häufig unspezifische Wörter verwendet (wie z.B. Ding, tut, das da), ähnliche Wörter vertauscht (Z.B. Stuhl und Sessel), für verschiedene Begriffe das selbe Wort verwendet (z.B. alle Tier sind Hunde) oder viele Oberbegriffe verwendet (z. B. das Wort Tier für alle Tiere). Es können Defizite in allen Wortarten vorliegen (Nomen, Verben, Adjektive, Adverbien).
  • Störung der Wortfindung: Dem Kind steht ein bestimmtes Wort, welches es eigentlich beherrscht im aktuellen Dialog nicht zur Verfügung. Das Wort liegt ihm „auf der Zunge“ und kann aber nicht geäußert werden. Das Kind gerät hierdurch ins Stocken, weicht auf Ersatzstrategien aus oder bricht seinen Versuch der Mitteilung ab. Die Ursache hierfür liegt meist nicht im Bereich des Wortschatzes, sondern im Bereich der Konzentration, der Abspeicherung und Verknüpfung im so-genannten Lexikon im Gehirn.
  • Störung des Sprachverständnis: Eine Störung des Sprachverständnis liegt vor, wenn das Kind Anweisungen, Erklärungen, Sätze und Gespräche nicht bzw. nicht ausreichend versteht. Wenn das Sprachverständnis beeinträchtigt ist, ist immer auch der aktive Sprachgebrauch gestört. In der Schule kann dies zusätzlich zu Störungen im so-genannten Lesesinnverständnis führen.
  • Störung der Grammatik: Die Störung der Grammatik wird als „Dysgrammatismus“ bezeichnet. Dieser kann sich vielfältig äußern. Die Sätze können verkürzt sein, Satzteile ausgelassen werden oder Wörter im Satz falsch positioniert werden. Es können Schwierigkeiten im Bereich der direkten und indirekten Artikel (der, die, das, eine, ein), der Bildung von Nominativ, Genitiv Akkusativ und Dativ (= Kasusbildung) und der Mehrzahlbildung (= Plural, Numerus) bestehen. Auch die Zeiteinbildung, die Abstimmung des Verbs auf das Subjekts (Subjekt-Verbkongruenz), die Verwendung von Präpositionen (auf, unter, im u.ä.) und die Bildung von Nebensätzen können beeinträchtigt sein.
  • Störung des sinnzusammenhängendes Erzählens: Die allgemeine Kommunikationsfähigkeit wird auch als „pragmatische“ oder „narrative“ Kompetenz bezeichnet. Sie beschreibt die Fähigkeit längere Äußerungen, zusammenhängende Sätze und Geschichten zu verstehen bzw. selbstständig zu produzieren. Eine Störung liegt vor, wenn das Kind Sinnzusammenhänge nicht ausreichend verstehen kann und es ihm nicht möglich ist Erlebnisse und Beobachtungen strukturiert zu erzählen. Wenn es erzählen möchte, produziert es dann z.B. sehr einfachen Sätzen mit einfacher Wortwahl oder neigt zu Satzabbrüchen. Häufig kann man dann den Erzählungen des Kindes nicht mehr (ausreichend) folgen. Störungen in diesem Bereich können deutliche Auswirkungen auf das Schreiben haben. 
  • Störung der Aussprache (Dyslalie, phonologische Störung): Bei der Störungen der Aussprache können Lautfehlbildungen. Lautauslassungen und Ersetzungen auftreten. Man muss zwischen den reinen Artikulationsstörungen (= Dyslalie) und den phonologischen Störungen unterscheiden. Eine Dyslalie liegt vor, wenn das Kind einen oder mehrere Laute nicht korrekt bilden kann. Der Laut wird ausgelassen, durch einen anderen Laut ersetzt oder entstellt gebildet. Häufig sind die „Sprechwerkzeuge“ (Zunge, Lippen, Gaumensegel) hierbei nicht in der Lage den Laut motorisch korrekt zu bilden. Eine phonologische Störung liegt dann vor, wenn das Kind einen Laut grundsätzlich bilden kann, ihn aber nicht sicher und bewusst einsetzt. Das Kind hat dann die bedeutungsunterscheidende Funktion nicht verstanden. Es hat z. B. noch nicht realisiert, dass zwischen den Wörtern "Tasse-Kasse" ein Unterschied besteht, den man nur durch den Einsatz von /t/ oder /k/ darstellen kann.
  • Spracherwerbsstörungen/ Sprachentdeckungsstörungen: Von dieser Störung spricht man bei einem stark verspäteten bzw. verzögertem Sprechbeginn. Das Kind spricht mit zwei Jahren meist nur wenige Wörter, es erfolgt keine „Wortschatzexplusion“( = blitzschnelles Lernen von Wörtern“) und das Kind kombiniert diese Wörter nicht zu kleinen Sätzen. Das Kind teilt sich fast ausschließlich über Geräusche, Gestik, Mimik und Blickkontakt mit. Es hat die so-genannte kommunikative Funktion von Sprache noch nicht ausreichend entdeckt. Es hat noch nicht erkannt, dass man mit Sprache seine Wünsche und Bedürfnisse ausdrücken kann und hierdurch etwas erreichen kann. Sollte Ihr Kind bis zum zweiten Lebensjahr weniger als 50 Wörter aktiv sprechen suchen Sie sich Rat.
  • Störung der Vorläuferfunktionen bei Spracherwerbsstörungen: Als Vorläuferfunktionen bezeichnet man die Fähigkeiten bewusst Blickkontakt zu halten, auf Sprache zu hören und die Sprache mit Gegenständen oder Beobachtungen aus der unmittelbaren Umgebung zu verknüpfen (=Triangulieren). Diese Vorläuferfunktionen sind die Voraussetzungen, um Sprache im Alltag zu erlernen.
  • Sprachentwicklungsstörungen bei audiogenen Störungen (= bei Hörstörungen): Das optimale Hören ist die Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Spracherwerb. Bei unzureichendem Hörvermögen durch Hörstörungen unterschiedlicher Ursachen kann es zu den oben genannten Störungen auf den verschiednen sprachlichen Ebenen kommen. Hier kann eine Störung im Bereich des Innenohres oder des Mittelohres die Ursache sein. Eine Therapie ist dann erst nach HNO-ärztlicher und pädaudiologischer Versorgung möglich. Insbesondere in den ersten zwei Jahren ist das intakte Hörvermögen entscheidend. In dieser Zeit reift die so-genannte Hörbahn. Das Kind spezialisiert sich ab Ende des ersten Lebensjahres auf die Laute der Muttersprache. Es lernt die sprachspezifischen Merkmale wie  Rhythmus und Betonung. Nur auf dieser Basis ist die Entwicklung des Wortschatzes und der Satzbildung möglich. In der weiteren Sprachentwicklung ist das Hören ebenfalls Grundvoraussetzung. 
  • Sprachentwicklungsstörungen im Rahmen von Mehrfachbehinderung. Bei Hirnschädigungen wie z.B. bei Cerebralparese, Syndromerkrankungen oder neurologischen Erkrankungen können mehrere Entwicklungsbereiche betroffen sein. Die Sprachentwicklung, die Sprechmotorik, die Stimmgebung und das Schlucken können ebenfalls betroffen sein. Die Therapieziele und Förderschwerpunkte sind hierbei sehr unterschiedlich. Die Sprachentwicklung muss dann im Rahmen der Gesamtentwicklung betrachtet werden. Hier ist es meist nicht  das Hauptziel eine „normale“ Sprachentwicklung zu erzielen. Häufig geht es vielmehr darum eine bestmögliche Kommunikation zu ermöglichen. Die Möglichkeiten sind hierbei sehr vielfältig und individuell verschieden. Auch im Bereich des Schluckens ist häufig eine Therapie notwendig um eine orale Nahrungsaufnahme zu ermöglichen.
  • Störung der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung (zentral-auditive Verarbeitungsstörung): Bei der Störung der zentral-auditiven Verarbeitung liegt ein Problem in der Hörverarbeitung vor. Das Kind ist grundsätzlich in der Lage die Laute, Wörter und Sätze zu hören. Das so-genannte periphere Hören ist intakt, das Gehirn verarbeitet das Gehörte dann aber nicht ausreichend. Das Kind kann hierdurch z.B. Laute nicht aus Wörtern heraus hören, kann sich nicht ausreichend bei Geräuschkulisse auf Sprache konzentrieren, kann sich das Gehörte nicht lang genug merken und die gehörten Laute nicht zu einem Wort verbinden. Diese Defizite können starke Auswirkungen auf den Lese- und Schreiberwerb haben. Eine Lese- und Rechtschreibschwäche kann sich hieraus entwickeln. Weitere Informationen finden Sie hier: auditive Verarbeitungsstörung, Lese-Rechtschreibstörung
  • Störung der Sprache bei angeborenen Fehlbildungen im Gesichtsbereich: Durch Fehlbildungen im Gesichtsbereich wie z.B. bei  Lippen-Kiefer-Gaumensegelspalten können die „Sprechwerkzeuge“ (Lippen, Zunge, Gaumensegel, Kiefer) nicht ausreichend bewegt werden. Es kommt hierbei teilweise zu kompensatorischen Bewegungen. Die Aussprache, die Stimmgebung und das Schlucken können hierdurch unterschiedlich stark beeinträchtigt sein. Teilweise kommt es hierdurch auch zu dem so-genannten „Näseln“. Durch allgemeine Koordinations- und Kräftigungsübungen im Mundbereich und durch Training der Artikulationsbewegungen können Verbesserungen erzielt werden.
  • Kindlichen Stimmstörungen (= juvenile Dysphonie): Durch eine Fehlbelastung der Atemmuskulatur und Kehlkopfmuskultaur bei der Stimmbildung kann es bereits im Kindesalter zu Veränderungen der Stimme kommen. Die Stimme ist hierdurch z.B. andauernd heiser, brüchig nicht tragend. Teilweise kann es auch zu Veränderungen der Stimmlippen kommen- es können „Schreiknötchen“ entstehen. Die Stimmstörung wird z.B. durch einen andauernden und lauten Stimmgebrauch ausgelöst. Ausführliche Informationen- Dysphonie
  • Störung des Redeflusses- Stottern/ Poltern: Als Störung des Redeflusses bezeichnet man lockere Laut-, Silben- und Wortwiederholungen, Dehnungen, Blockierungen mit starker Muskelanspannung sowie mimische und gesamtkörperliche Mitbewegungen, die länger als sechs Monate andauern. Es muss hierbei zwischen Redeunflüssigkeiten unterschieden werden, die im Rahmen der Sprachentwicklung „normal“ sind und dem beginnenden bzw. chronischen Stottern. Ausführliche Informationen Stottern
  • Myofunktionelle Störungen (= Muskelfunktionsstörungen im Gesichtsbereich): Durch eine Störung der Muskelspannung und Muskelkoordination im Gesichtsbereich und insbesiondere der Lippen und der Zunge kann es zu deutlichen Schwierigkeiten im Bereich der Aussprache, des Schluckens und zu Zahnfehlstellungen kommen. Bei der myofunktionellen Störung liegt meist eine zu geringe Muskelspannung, aber auch manchmal eine erhöhte Spannung im Mundbereich vor. Die Zunge liegt hierdurch häufig an oder zwischen den Zähnen und drückt beim Schlucken gegen die Zähen bzw. liegt zwischen den Zähnen. Durch eine Störung im Bereich der Lippenmuskulatur, kommt es z.B. zu einer überwiegend offenen Mundhaltung. Auch übermäßiger Speichelfluss kann hierdurch begründet werden. Durch myofunktionelle Störungen kann es zu Kieferfehlstellungen kommen. Diese können auch durch diese verstärkt oder aufrecht erhalten werden. Auch die Aussprache kann hierdurch beeinträchtigt sein. Insbesondere das „Lispeln“ wird hierdurch provoziert. Im Rahmen einer Artikulationstherapie muss häufig auch an der Kräftigung der Mundmuskulatur und Verbesserung der Wahrnehmung im Mundraum gearbeitet werden.
  • Rhinophonie (= Näseln): Durch eine Störung der Muskulatur im Mundbereich und insbesondere des Gaumensegels (= Velum) kommt es zu einer entstellten Aussprache. Man unterscheidet hierbei das offenen Näseln (Rhinophonia aperta) und das geschlossene Näseln (= Rhiophonia clausa). Bei dem offenen Näseln kommt es zu einer stark behauchten und nasalen Bildungen von Lauten (häufig sind „f,w, s, z, sch n“ betroffen). Bei dem geschlossenen Näseln kommt es zu einer Ersetzung von /f, w, s, z, sch/ durch /p, b, t, d/. Der Betroffenen hört sich dann teilweise stark verschnupft an. Häufig treten das offene und geschlossene Näseln auch in gemischter Form auf (= Rhinophonoia mixta) Durch ein gezieltes Muskeltraining im Mundbereich und spezifische Artikulationsübungen kann der Störung entgegen gewirkt werden. Die Rhinophonie geht häufig mit einer Lippen-Kiefer-Gaumensegelspalte einher.
  • Störung  des  Lese-  und  Rechtschreiberwerbs- Entwicklungsdysgraphien, Entwicklungsdyslexien (LRS): Die Therapie von Lese- Rechtschreibstörungen ist ein besonderes Störungsbild im logopädischen Alltag. Kinder mit sprachlichen Defiziten tragen ein hohes Risiko in sich eine Lese-Rechtschreibstörung zu entwickeln. Es gibt spezielle Therapiekonzepte, um dieses Risiko frühzeitig zu minimieren aber auch um einer bereits bestehende Lese- Rechtschreibstörung zu therapieren. Die Therapie einer Lese- Rechtschreibstörung wird nicht von der Krankenkasse übernommen. Ausführliche Informationen Lese- und Rechtschreibstörungen

Es können zusätzlich auch nicht sprachliche Symptome auftreten, welche die Sprachentwicklung beeinflussen:

Die kindliche Sprachentwicklung kann nicht isoliert betrachtet werden und muss im Rahmen der gesamten Entwicklung gesehen werden. Es können parallel Störungen in nicht sprachlichen Bereichen auftreten. Diese werden in der lopgopädischen Therapie berücksichtigt. Sie werden bei Bedarf aber durch andere Fachrichtungen intensiv therapiert. Hierzu zählen u.a.:

  • Störung der Grobmotorik 
  • Störung der Feinmotorik 
  • Störungen der taktil-kinästethischen Wahrnehmung (= der Tiefenwahrnehmung) 
  • Störungen der Körperspannung (Tonus) und des Gleichgewichts (= vestibuläre Wahrnhemung) 
  • Störung der visuellen Wahrnehmung ( = Störung der Verarbeitung des Gesehenen)
  • Störung der sozialemotionalen Entwicklung 
  • Störung der geistigen Entwicklung 
  • Störung der allgemeinen Konzentration und  Aufmerksamkeit
  • ADHS ("Hyperaktivität"), ADS ("Träumer")

Wie kann die Sprachentwicklung im Alltag gefördert werden? 

Das Kind muss viele Meilensteine der komplexen Sprache erwerben. Die Sprache erwirbt das Kind spielerisch im Dialog und in der Interaktion. Die Bezugspersonen spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Bei allen nachfolgenden Tipps ist nicht zu vergessen, dass Eltern keine Lehrer und Therapeuten und kein Lexikon sind. Versuchen Sie also nicht alle Tipps auf einmal zu befolgen. Haben Sie Geduld mit sich selber, lassen Sie Fehler zu und vertrauen Sie Ihren Fähigkeiten und Empfindungen- handeln Sie intuitiv. Eine positive Bindung und die Freude am Dialog mit Ihrem Kind sind wichtiger als jeder Leitfaden. Hören und sprechen Sie mit dem Herzen und greifen sie die Sprachangebote Ihres Kindes freudig auf. Die folgenden Tipps können Ihnen Anregungen geben und neue Sichtweisen eröffnen: 

  • Halten Sie Blickkontakt!
  • Hören Sie Ihrem Kind zu! 
  • Schaffen Sie Sprecherwechsel, in dem Sie zuhören und auf die Äußerungen ihres Kindes reagieren. 
  • Korrigieren Sie nicht direkt! Sondern greifen Sie die kindliche Äußerung auf und geben Sie diese noch einmal korrekt und evtl. erweitert wieder. Hierbei erfolgt keine direkte Korrektur, sondern die korrekte Äußerung fließt in das Gespräch ein. 
  • Begleiten Sie die Handlung des Kindes und Ihre eigene Handlungen sprachlich, so dass das Kind einen Bezug zwischen Objekten/ Handlungen und Sprache herstellen kann.
  • Binden Sie Ihr Kind in Alltagshandlungen ein und geben Sie ihm die Möglichkeit seine Sprache zu erweitern. 
  • Passen Sie Ihre Sprache der Sprachentwicklung Ihres Kindes an! Seien Sie der Sprachentwicklung Ihres Kindes einen kleinen Schritt voraus. 
  • Lassen Sie Ihr Kind nicht bewusst nachsprechen- durch Vokabeln nachsprechen erwirbt das Kind kein natürliches Dialogverhalten 
  • Interessieren Sie sich für die Welt Ihres Kindes, spielen Sie mit Ihrem Kind, begleiten Sie das Spiel sprachlich. Haben Sie Spaß dabei.
  • Erzählen Sie Geschichten, lesen Sie täglich vor.
  • Betrachten Sie gemeinsam Bilderbücher, benennen Sie die Abbildungen und sprechen Sie darüber 
  • Verwende Sie Reime, singen Sie Kinderlieder.
  • Wiederholen Sie neue Wörter häufig im Gespräch- Ihr Kind muss ein Wort bis zu 50 mal hören, bevor es dies aktiv spricht!
  • Ermutigen Sie ihr Kind zum Dialog! Führen Sie Dialoge mit Ihrem Kind! Das Kind lernt die Sprache am besten im Dialog und Spiel. 
  • Greifen Sie die Äußerungen Ihres Kindes auf und fragen Sie interessiert nach. 
  • Bestätigen Sie Ihr Kind in seinen Äußerungen. 
  • Stellen Sie offene Fragen! So fordern Sie Ihr Kind zu kreativen Äußerungen auf. Ihrem Kind es es so möglich frei zu antworten und Sätze zu bilden. 
  • Loben Sie Ihr Kind häufig und bestätigen Sie es in seinem Tun! 
  • Behandeln Sie Ihr Kind altersentsprechend, spiele Sie altersentsprechende Spiele mit Ihm.
  • Ermöglichen Sie ihm spätestens ab dem 3.-4. Lebensjahr mit gleichaltrigen Kindern zu spielen, die Sprache wird dann im Spiel gefördert. 

Im ersten Lebensjahr hilft es Ihrem Kind sehr, wenn sie folgendes beachten: 

  • Sprechen Sie in einer erhöhten Stimmlage.
  • Sprechen Sie sehr betont und melodiös! 
  • Sprechen Sie langsam!
  • Verwenden Sie einfache Aussagesätze!
  • Wiederholen Sie Wörter häufig!
  • Greifen Sie das Lallen und Brabbeln Ihres Kindes auf und wiederholen Sie dieses- führen Sie auf diese Weise Dialoge mit Ihrem Kind

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