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Störung der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung bei Kindern und Jugendlichen

Definition:

Bei einer zentral-auditiven Verarbeitungsstörung liegt eine Störung der Wahrnehmung und Verarbeitung des Gehörten "zentral" im Gehirn vor. Die Hörreize werden nicht ausreichend wahrgenommen, weitergeleitet und verarbeitet. Auch die Merkspanne und Konzentration können eingeschränkt sein. Häufig kann die Aufmerksamkeit nicht aufrecht erhalten werden.Das Hören sowie es umgangssprachlich definiert wird, ist hierbei nicht betroffen- der normale Hörtest (das periphere Hören) ist unauffälligDie auditive Wahrnehmung und Verarbeitung umfasst mehrere Teilfunktionen die aufeinander aufbauen oder parallel ablaufen. Die Störung tritt häufig im Rahmen einer allgemeinen Sprachentwicklungsstörung auf. Eine intakte Informations- und Reizverarbeitung von Sprache ist Voraussetzung für die Entwicklung der phonologischen Bewusstheit (der Vorläuferfunktion des Lese- und Schreiberwerbs) und den darauf aufbauenden Lese- und Schreiberwerb.

Ursachen? 

Es werden mehrere Ursache diskutiert. Diese sind aber durch Studien noch nicht ausreichend gesichert. Häufig sind mehrere Faktoren dafür verantwortlich. Folgende mögliche Ursachen werden in Betracht gezogen.  

  • Folge von chronischen Mittelohrprozessen 
  • Auftreten im Rahmen einer allgemeinen Entwicklungsstörung 
  • Umwelteinflüsse in Form von reduziertem Sprachangebot oder fehlenden Lernangeboten 
  • Medizinische Faktoren wie Hirnreifungsstörungen 

Eine zentral-auditive Verarbeitungsstörung tritt häufig im Rahmen von folgenden Störungen auf: 

  • Sprachentwicklungsstörungen
  • Artikulationsstörungen und phonologischen Störungen 
  • Lese- Rechtschreibstörungen 
  • Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS/ ADS) 
  • Komplexe Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen (mit Einschränkungen im Bereich der Verarbeitung des Sehens und des Fühlens) 
  • Allgemeinen Konzentrationsstörungen 

Um eine zentral-auditive Verarbeitungsstörung zu diagnostizieren, ist eine komplexe Differentialdiagnostik erforderlich an welcher mehrere Fachrichtungen beteiligt sind. Eine eindeutige Diagnose und eine Aussage über mögliche Ursachen können nur im interdisziplinärem Team gestellt werden. Hierzu sind insbesondere genaue pädaudiologische Untersuchungen, HNO-ärztliche Untersuchung und eine psychologische Einschätzung erforderlich. Nur so ist eine Abgrenzungen von ähnlichen Störungen möglich. Es muss untersucht werden, ob wirklich eine Störung der zentral-auditiven Wahrnhemung oder aber z.B. eine allgemeine Konzentrations- und Wahrnehmungsstörung, eine Lese- Rechtschreibstörung oder eine spezifische Sprachentwicklungsstörung ursächlich sind. Nur nach dieser gezielten Abgrenzung, kann die richtige Therapieform festgelegt werden. 

Was geschieht in der Therapie?

Untersuchung: Es erfolgt ein ausführliches Erstgespräch (Anamnese) mit dem Kind/ Jugendlichen und den Eltern. Danach erfolgt die Untersuchung der wichtigsten Teilfunktionen der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung. Je nach Ausprägung erfolgt auch eine differenzialdiagnostische Einschätzung der Vorläuferfunktionen des Lese- und Schreiberwerbs (= phonologische Bewusstheit). Bei Bedarf erfolgt zusätzlich eine Überprüfung des Lese- und Schreiberwerbs und der allgemeinen Sprachentwicklung. Es werden zu den verschiedenen Bereichen hochwertige standardisierte Testungen durchgeführt. Eine eindeutige Diagnose kann nur im interdisziplinärem Team gestellt werden. Hierzu sind insbesondere ausfürliche pädaudiologische Untersuchungen, HNO-ärztliche Untersuchung und eine psychologische Einschätzung erforderlich. Eine zentral-auditive Verarbeitungsstörungen muss durch diese Untersuchungen von anderen Störungen wie einer allgemeinen Konzentrationsstörung oder Lese-Rechtschreibstörung abgegrenzt werden. 

Therapie: Die Therapie enthält je nach Störungsbild individuell zusammengestellte Übungene. Das Kind lernt z.B. Laute sicher zu unterscheiden oder aus Wörtern heraus zu hören, es lernt Wörter in Silben und Laute zu unterteilen und sich unter Geräuschkulisse aus das wesentliche zu konzentrieren. Es werden verschiedene Therapieansätze kombiniert, um gezielt an den betroffenen Teilfunktionen arbeiten zu können. Hierbei wird eine hoher Bezug zum Alltag hergestellt. Es ist in der Regel sinnvoll und erforderlich mehrere Teilbereiche parallel zu behandeln. Je nach Störungsbild erfolgen zunächst Vorübungen auf „vorsprachlicher Ebene“ mit Geräuschen, Tönen und Klängen. Der Schwerpunkt liegt aber auf sprachlichen Übungen auf Laut-, Silben-, Wort- und Textebene. Eventuell werden die Prosodie des Deutschen und rhythmische Elemente mit einbezogen. Auch im Bereich der phonologischen Bewusstheit- der Fähigkeit der Aufmerksamkeitslenkung auf die Wortstruktur wird bei Bedarf gearbeitet. Technische zusätzliche Hilfsmittel sind meist nur im Einzelfall sinnvoll. Der Einsatz von technischen Therapiemethoden zur indirekten Therapie durchz.B. Geräuschangebote über Kopfhörer ist ebenfalls möglich, aber grundsätzlich umstritten. Auch kompensatorische Techniken über visualisierte Sprachlaute sind umstritten. Es gibt im technischen Bereich Immer wider Neuerungen. Es wird im interdisziplinären Team abgewogen, ob diese Hilfsmittel im Einzelfall sinnvoll sind. 

Beratung: Die Beratung beinhaltet die Aufklärung über Ursachen, Auswirkungen und Ziele der Therapie. Es werden gezielte Hilfestellungen für den Umgang mit der Störung im Alltag gegeben. Außerdem werden mit den Eltern und dem sozialen Umfeld bei Bedarf zusätzlich Kompensationsstrategien entwickelt. Die Eltern werden kontinuierlich und intensiv in die Therapie mit einbezogen. Sie erhalten gezielte Anleitungen für die kontinuierliche Unterstützung im Alltag. Auch die Lehrer werden selbstverständlich bei Bedarf beraten. 

Ziel: Ziel ist es die Teilbereiche der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung soweit zu verbessern, dass ausreichende Voraussetzungen für den Lese- und Schreiberwerb geschaffen werden und ein Mitkommen in der Schule möglich ist. . Es soll lernen gehörte Sprachinformationen ausreichend aufzunehmen, zu verarbeiten und abzuspeichern. Das Kind soll bezüglich der Geräuschempfindlichkeit desensibilisiert werden. Hierdurch soll insbesondere das Mitkommen in der Schule verbessert sowie das Risiko einer Lese- Rechtschreibstörung reduziert werden. Die Therapie kann hier entscheidende Entwicklungsimpulse setzen. 

Interdisziplinärer Austausch: Die Zusammenarbeit und der fachliche Austausch insbesondere mit z.B. HNO-Ärzten und Phoniatern, Kinderärzten, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Psychologen sowie mit der Schule ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Die Leitsymptome der zentral-auditiven Verarbeitungsstörung sind: 

Störung der auditiven Aufmerksamkeit (= bewusste Zuwendung zu auditiven Stimuli): Das Gehörte wird nicht oder nur teilweise wahrgenommen und verarbeitet. Außerdem fällt es dem Kind schwer die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten und andauernd zuzhören. Er kann sich nur kurzzeitig den Hörreizen zuwenden und wird durch Umgebungsgeräusche schnell abgelenkt. Das Kind kann sich nicht auf das Wesentliche konzentrieren und die Sprache somit nicht ausreichend aus den Umgebungsgeräuschen heraus filtern. Insbesondere in der Schule kann es hierdurch zu Problemen kommen. 

Störung der Speicherung/ der Merkspanne (= Behalten von Höreindrücken): Das Gehörte kann nicht oder nur kurzzeitig abgespeichert werden. Das Kind kann sich nicht alle Informationen merken und abspeichern. Es kann dann die Sprachreize nicht ausreichend weiter verarbeiten, da sie nicht lange genug im „Arbeitsspeicher“ behalten werden. Es "vergisst" somit wichtige Informationen. 

Störung der Sequenz/ der Reihenfolge (= Erfassung der richtigen Reihenfolge der zu speichernden auditiven Stimuli): vorgegebene Stimuli können nicht mehr in der vorgegebenen Reihenfolge wiedergegeben werden. So werden z.B. Laute beim Verschriften des Gehörten vertauscht. Es kann hierdurch aber auch die Reihenfolge der Wörter im Satz beeinträchtigt sein. Im Rechnen kann es hierdurch zu Verdrehungen von Zahlen kommen. 

Störung der Lokalisation/ des Richtungshörens (= bewusste Hinwendung zur Schallquelle): die Richtung und die Entfernung des Gehörten kann nicht/ bzw. nicht ausreichend erkannt werden. So fällt es dem Kind schwer sich dem Gehörten zuzuwenden.

Störung der Diskrimination (= erkennen von Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen Höreindrücken): Laute können nicht ausreichend unterschieden werden. Es kommt hierdurch zu Vertauschungen von (ähnlichen) Wörtern und Lauten bei der Aussprache, beim Lesen und/ oder beim Schreiben. Das Kind kann dann z.B. Laute wie /k/ und /t/, /k/ und /g/, /i/ und /e/ oder aber auch Wörter wie /im/- /in/, /Baum/- /Bauch/ nicht sicher unterscheiden. Hierdurch kommt es zu einer hohen Fehleranzahl beim Lese- und Schreiben und zu Schwierigkeiten im Verstehen von Sprache. 

Störung der Selektion (= Herausfiltern akustisch relevanter Stimuli aus Umgebungsgeräuschen): wichtige Informationen können nicht ausreichend von den Umgebungsgeräuschen herausgehört werden und wichtige nicht von unwichtigen Informationen unterschieden werden. 

Störung der Analyse/ Identifikation (= Herauslösen einzelner Elemente aus akustisch komplexen Gestalten): Laute können nicht aus einer größeren Einheit identifiziert bzw. heraus gefiltert werden. So werden z.B. nicht alle Laute in einem Wort erkannt. 

Störung der Positionenbestimmung: die Positionen der Laute in Wörtern können nicht ausreichend erschlossen werden. So kann ein Kind z.B. nicht sagen ob das <sch> in <Flasche> in der Mitte oder am Ende des Wortes steht. Es kann hierdurch bei der Verschriftung zu deutlichen Fehlern kommen. 

Störung der Störung der Synthese (= Zusammensetzen eines akustisch komplexen Gebildes aus Einzelelementen): das Zusammenziehen von Lauten und Silben ist gestört. Das Erlesen von Wörtern und Sätzen ist hierdurch deutlich beeinträchtigt.  

Störung der Ergänzung (= Vervollständigung fragmentarischer akustischer Informationen zu sinnvolle Informationen): nicht vollständige Informationen können nicht ausreichend ergänzt werden. Wenn ein Kind dann z.B. nicht das gesamte Wort aufgrund der Geräuschkulisse hören konnte, kann es dies nicht mehr selbstständig erschließen. 

Die Leistungen sind stark abhängig von der Motivation des Kindes.  

 

Die ungestörte auditive Verarbeitung- ein Beispiel: 

Stellen Sie sich vor Ihr Kind sitzt in der Klasse. Die Geräuschkulisse ist hoch. Die Klasse erhält die Aufgabe ein gehörtes Wort zu schreiben. Dafür muss Ihr Kind nun Folgendes leisten: 

  • Das Kind muss motiviert und bereit sein dem Unterricht zu folgen. 
  • Das Kind wendet sich der Schallquelle und somit der Lehrerin/ dem Lehrer zu. (= auditive Aufmerksamkeit).
  • Es unterscheidet die Sprache von der Geräuschkulisse und die wichtigen Sprachinformationen der Lehrerin/ des Lehrers von den „unwichtigen“ Gesprächen der anderen Schüler (= Selektion).
  • Es filtert das Wort, was die Lehrerin/ der Lehrer diktiert heraus und leitete es in den so-genannten Arbeitsspeicher im Gehirn weiter (= Speicherung, Merkspanne). 
  • Dort behält es das Wort bis es ausreichend verarbeitet und zerlegt wurde (= Speicherung, Merkspanne). 
  • Es strukturiert das Wort und identifiziert die einzelnen Laute. (= Anlayse, Identifikation). 
  • Es identifiziert die Positionen der Laute im Wort (= Positionenbestimmung).
  • Es unterscheidet ähnliche Laute voneinander und entscheidet z.B;. ob es ein /m/ oder /n/, /o/ oder /u/ gehört hat. (= Diskrimination). 
  • Es setzt die identifizierten Laute Schritt für Schritt in geschriebene Buchstaben (= Grapheme) um (= Phonem-Graphem-Korrespondenz). 
  • Es merkt sich hierbei die korrekte Reihenfolge der Laute. (= Sequenz) 
  • Es konzentriert sich ausreichend bis das Wort zu Ende geschrieben ist und zeigt somit genügend Ausdauer (=Aufmerksamkeit).  
  • Es lässt sich bei der Aufgabe auch weiterhin nicht von den Umgebungsgeräuschen ablenken (= Aufmerksamkeit).
  • Es zieht das geschriebene Wort zusammen und liest das geschriebene Wort (= Synthese) 
  • Dann vergleicht es dies noch einmal mit dem gesprochenen Wort der Lehrerin (= Diskrimination und Identifikation). 
  • Wenn die Lehrerin/ der Lehrer einen ganzen Satz diktiert hat, kann es passieren, dass das Kind einzelne Wörter oder Wortendungen nicht ausreichend verstehen konnte- dann muss es zusätzlich das Gehörte ergänzen- bevor es dieses verschriftet (= Ergänzung). 

Hilfestellungen für Eltern und Betroffene: 

Hier erhalten Sie erste Anhaltspunkte, die Ihnen im Alltag und auch den Lehrern in der Schule helfen können. Gerade bei diesen Störungen sind die Hilfestellungen aber stark von der Diagnose abhängig. Gerne setzten wir uns auch mit Lehrern wegen möglicher Hilfestellungen in der Schule in Verbindung. Eine gezilte Beratung erhalten Sie in der Therapie:

  • Halten Sie Blickkontakt beim Sprechen, dann fällt es Ihrem Kind leichter sich auf Sie und Ihre Sprachinformationen zu konzentrieren. 
  • Sprechen Sie langsam und betont. 
  • Sprechen Sie in kurzen und prägnanten Sätzen. 
  • Wiederholen Sie wichtige Informationen gegebenenfalls mehrfach und betonen Sie diese bewusst. 
  • Sprechen Sie Ihr Kind direkt namentlich an. 
  • Halten Sie es nicht grundsätzlich von Geräuschkulissen fern. Ihr Kind lernt sonst nicht mit diesen umzugehen und sich trotz dieser zu konzentrieren. 
  • Achten Sie auf eine insgesamt reizarme und ruhige Umgebung, wenn sich Ihr Kind stark konzentrieren muss.  
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind in der Klasse vorne sitzt 
  • Üben Sie mit ihrem Kind kontinuierlich Lesen und Schreiben- aber überfordern Sie es hierbei nicht. 
  • Fördern Sie das Interesse an Buchstaben, das Reimen, das Silben klatschen auch schon in der Vorschulzeit.
  • Spielen Sie Spiele in denen z.B. das Silbensprechen, das Reimen oder das Heraushören und Erkennen von Buchstaben gefördert wird. 

Weiter wichtige Informationen... 

Therapiebeginn: Die Therapie sollte nach der Feststellung der Diagnose sofort begonnen werden, um Folgestörungen vorzubeugen und ein Mitkommen in der Schule zu ermöglichen. 

Therapieintervalle: Die Therapie erfolgt je nach Verordnung und Ausprägung der Störung ein bis zweimal pro Woche über durchschnittlich 45 min. 

Therapiedauer: Die Dauer der Therapie ist von vielen Faktoren abhängig und schwer vorher zu sehen. Wir sind aber darum bemüht schnellst möglich Fortschritte zu erzielen und bei guten Fortschritten auch zwischenzeitlich Therapiepausen durchzuführen. 

Logopädische Verordnung „Rezept“: Damit eine Behandlung begonnen werden kann, ist die Ausstellung einer logopädischen Verordnung durch eine entsprechende medizinische Fachrichtung erforderlich (z.B. Kinderarzt, HNO-Arzt, Hausarzt). 

Fragen?  Für Fragen stehen wir Ihnen gerne telefonisch zur Verfügung. 

 

Weitere Informationen erhalten Sie hier auf dieser Seite:

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