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Sprachstörungen bei Erwachsenen

Was bedeutete das?

Als Aphasie/ Dyspahsie bezeichnet man eine zentrale Störung der Sprache in Folge einer Hirnschädigung. Die häufigste Ursache hierfür ist ein Schlaganfall. Hierdurch kann es zu Störungen des Sprachverstehens, der Sprachproduktion, des Lesens und des Schreibens in unterschiedlicher Ausprägung und variierender Zusammensetzung kommen. Bei einer Aphasie kann zum Beispiel die Bildung von Sätzen, das Finden von Wörtern und die richtige Wortwahl betroffen sein. 

 

Die häufigsten Ursachen sind:

  • Schlaganfall (Apoplex)
  • Hirnblutung (hämoragischer Insult)
  • Schädelhirntrauma 
  • Hirntumore
  • Hirnoperationen 
  • Entzündliche Hirnerkrankungen (z.B. Enzepahlitis)

 

Risikofaktoren sind: 

  • Bluthochdruck
  • Herzerkrankungen
  • erhöhte Blutfette Cholesterin (Hypercholesterinämie, Hyoperlipidämie)
  • erhöhte Zuckerwerte
  • Alkohol- und Nikotinabusus
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Ovulationshermmer („Pille“)
  • Bewegungsmangel 
  • „Stress“

Treten mehrere Faktoren gemeinsam auf, erhöht sich die Schlaganfallwahrscheinlichkeit um ein Vielfaches! 

 

Achtung: Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Bei Symptomen sollte sofort der Notarzt verständigt werden!

Man unterscheidet verschiedene Standardsyndrome in der Aphasie

Amnestische Aphasie: Es kommt hier zu leichten Beeinträchtigungen im Bereich des Sprachverständnis, der Wortfindung und/ oder des Satzbaus. Eine einfache Kommunikation im Alltag ist mit leichten Einschränkungen möglich. 

Broca-Aphasie: Es kommt zu einer verlangsamten Sprache mit Sprechanstrengung, zu grammatischen Auffälligkeiten und Einschränkungen im Bereich des Sprachverständnis. Die Kommunikationsfähigkeit ist stark beeinträchtigt. 

Wernicke-Aphasie: Es kommt zu einer erhöhten Sprachproduktion und übersteigertem Redefluss. Häufig sind die Äußerungen aber nur schwer verständlich und in sich nicht schlüssig. Die Kommunikation ist hierbei stark eingeschränkt.

Globale Aphasie: Bei der schwersten Form der Aphasie sind Sprachverständnis und Sprachproduktion stark eingeschränkt. Die sprachliche Kommunikation ist kaum möglich. 

 

Sonderformen der Aphasie sind: 

  • Fortschreitende Aphasien bei degenerativen Erkrankungen z.B. Alzheimer, Morbus Parkinson
  • Kindliche Aphasien bei Hirnschädigungen im Kindesalter 

 

 

 

Was geschieht in der Therapie?

Untersuchung: Zunächst erfolgt ein ausführliches Erstgespräch (Anamnese) mit dem Patienten und den Angehörigen. Danach erfolgt die Befunderhebung in allen sprachlichen Bereichen (Sprachverständnis, Wortfindung, Satzbildung, Artikulation, Dialogverhalten, Lesen und Schreiben). Hierzu werden standardisierte Testverfahren, orientierende Verfahren und Screeningverfahren verwendet. 

Therapie: Die Therapie enthält je nach Störungsbild individuell zusammengestellte Übungen. Meistens wird in mehreren Störungsbereichen gearbeitet (z.B. Sprachverständnis und Sprachproduktion). Ziel ist hierbei die Aktivierung und systematische Neustrukturierung der Sprachregionen im Gehirn. 

Beratung: Die Beratung beinhaltete die Aufklärung über Ursachen, Auswirkungen und Ziele der Therapie. Es werden gezielte Hilfestellungen für den Umgang mit der Störung im Alltag gegeben und Kommunikationsstrategien entwickelt. Auch die Angehörigen werden beraten und in die Therapie mit einbezogen. 

Ziel: ist die Verbesserung der Kommunikation im Alltag durch die Wiedeorganisation der sprachlichen Fähigkeiten und die Anpassung der Umwelt an den Patienten. Der Patient soll wieder die größtmögliche sprachliche Selbstständigkeit im Alltag erlangen. Eine Sprachstörung kann nicht „geheilt“ werden, durch die logopädische Therapie kann aber eine Verbesserung, Kompensation und ein besserer Umgang mit der Störung erzielt werden. Die Ziele sind je nach Ausprägung der Störung sehr verschieden. Sie werden intesiv mit dem Patienten und seinen Angehörigen besprochen.

Interdisziplinärer Austausch: Die Zusammenarbeit und der fachliche Austausch mit z.B. Ärzten, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Psychologen ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Therapie. 

 

 

 

 

Bei einer Aphasie können folgende Störungen auftreten...

Störung des Sprachverständnis: Es werden einzelne Wörter, Sätze oder Gespräche nicht oder nur unzureichend verstanden. Die Ausprägung ist je nach Störung sehr unterschiedlich.  

Störung der Wortfindung, Wortfindungsstörungen: Dem Patienten fällt ein bestimmtes Wort im aktuellen Dialog zur Bezeichnung von Objekten, Ereignissen, Eigenschaften oder Tätigkeit nicht ein. Er gerät ins stocken, weicht auf Umschreibungen, Floskeln und ähnliche Wörter aus oder bricht seinen Versuch der Mitteilung ab. 

Störung der Wortwahl, der Wortbedeutung: Wörter können nicht mehr gezielt genannt werden oder werden durch andere Wörter ersetzt. Die Symptomatik kann hier sehr unterschiedlich sein. Das Wort wird z.B. durch ein ähnliches Wort ersetzt. So sagt der Betroffene z.B. "Stuhl" statt "Sofa". Es kommt zum Teil auch zu Wortneuschöpfungen, die in unserer Sprache nicht vorkommen (Neologismen) oder einer Verkürzung von Wörtern.  

Störung der Lautstruktur: Das Wort wird lautlich bis zur Unkenntlichkeit verändert (phonematische Paraphasien). Laute werden ausgelassen, hinzugefügt, umgestellt oder ausgetauscht (z.B. Bume statt Blume, Treller statt Teller, Sappe statt Suppe). 

Störung des Satzbaus und der Grammatik: Die Satzbildung und die grammatischen Regeln sind beeinträchtigt. Es kommt zu Satzabbrüchen, -verkürzungen, Satzverschränkungen von zwei Sätzen oder zu Satzverdopplungen. Einzelne Satzteile oder Funktionswörter können ausgelassen oder ersetzt werden. Die grammatikalische Markierungen können fehlen, so dass es zu einer Aneinanderreihung von Wörtern kommt (Agrammatismus, Telegrammstil). Es können auch falsche grammatische Markierungen auftreten wie "gegingt" statt "gegangen" oder "Glasers" statt "Gläser". 

Störung in Form einer automatisierte Sprache: Es kommt zu immer wiederkehrende unkontrollierten gleichen Äußerungen. Diese können aus Aneinanderreihungen von Silben, Wörter oder Redephrasen bestehen und passen nicht in den sprachlichen Zusammenhang. Die automatisierten Sprachelemente hemmen willkürliche und passende sprachliche Äußerungen und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. So sagt der Betroffene z.B. imer nur "ja ja ja", "ich weiß nicht". Es können aber auch Äußerungen des Gesprächspartners wiederholt werden (Echolalien).

Störung des Redeflusses (Pragmatik): Der Sprechfluss kann in unterschiedlicher Form in der Geschwindigkeit gesteigert oder reduziert sein. Es kann im Dialog zu einem überschießenden und schwer zu unterbindendem Rededrang (Logorrhoe) kommen. Es kann aber auch zu Gedankenabbrüchen, dem so-genannten Verlust des „roten Fadens“ kommen. Manchmal kommtt es auch zu einer verminderter unflüssigen Sprachproduktion in Form von unterschiedlich stark ausgeprägten Stottersymptomen. Teilweise tritt hier zusätzlich eine starker Sprachanstrengung auf. Auch das Sprechtempo, die Sprechmelodie und Betonung können beeinträchtigt sein (Dysprosodie)

Störungen der Schriftsprache (Agraphie, Dysgraphie): Das Schreiben von Lauten, Wörtern und Sätzen kann beeinträchtigt sein. Hierbei werden z.B. einzelne Laute nicht sicher verschriftet, es wird ein lautlich ähnliche Wort oder ein bedeutungsähnliches Wort geschrieben. 

Störung des Lesens (Alexie, Dyslexie): Das Lesen von Lauten, Wörtern, Sätzen kann beeinträchtigt sein. Einzelne Laute werden z.B. nicht korrekt gelesen, es wird ein lautlich ähnliches oder bedeutungsähnliches Wort gelesen. Auch das Lesesinnverständnis kann beeinträchtigt sein. 

 

Neben der Aphasie können weitere Störungen parallel auftreten. 

Es können zusätzlich Stimm-, Sprech- und Schluckstörungen auftreten. Diese Störungen werden in der Diagnostik ebenfalls erfasst. Je nach schwere der Symptome wird entschieden, welche Störung im Mittelpunkt der logopädischen Therapie steht. Häufig behandelt der Logopäde mehrere Störungen parallel. 

Zu diesen Störungen zählen:  

 

Es können auch nicht sprachliche Symptome auftreten: 

Es können weitere gesamtkörperliche Störungen auftreten. Diese werden in der lopgopädischen Therapie berücksichtigt, aber durch andere Fachrichtungen therapiert.

Zu diesen Störungen zählen: 

  • Halbseitenlähmung komplett, inkomplett (= Hemipraese) 
  • Halbseitenvernachlässigung (= Neglect)
  • gestörte Handlungsfolgen (= Apraxi/ Dyspraxie)
  • Gedächtnisstörung (= Amnesie) 
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen 
  • Wahrnehmungsstörungen
  • gestörte Objekterkennung (= Agnosie)
  • Rechenstörung (= Dyskalkulie)
  • Epilepsie 

 

 

Hilfen für die Angehörigen und weitere Gesprächspartner:

Aphasische Patienten sind selten sprachlos. Selbst wenn schwerste Beeinträchtigungen vorliegen, können häufig noch mit Hilfe von Mimik, Gestik oder Tonfall Inhalte übermittelt werden (wie z.B. Freude, Trauer, Ärger, Überraschung). Auch Zustimmungen oder Ablehnungen können hierdurch signalisiert werden. Die Kommunikation im Alltag verändert sich aber meist erheblich. Diese Veränderungen erfordern viel Geduld seitens der Angehörigen und des Patienten. Damit der Patient Gesprächen ausreichend folgen kann, müssen einige Dinge beachtet werden. In welcher Weise die Kommunikation beiderseits verändert werden muss ist abhängig von der schwere der Symptomatik. In der Therapie werden wir Sie hierbei gezielt beraten und unterstützen. 

Diese Punkte können Ihnen bereits erste Hilfen bieten: 

  • Schaffen Sie Ruhe für Gespräche!
  • Sprechen Sie langsam und deutlich!
  • Sprechen Sie in kurzen Sätzen!
  • Betonen Sie die wichtigsten Wörter im Satz! 
  • Halten Sie Blickkontakt, um Ihre Aufmerksamkeit zu signalisieren und um festzustellen, ob Sie verstanden werden.
  • Wiederholen Sie das Gesagte noch einmal anders, wenn Sie nicht verstanden werden! 
  • Zweiergespräche sind häufig leichter als Gruppengespräche!
  • Vermeiden Sie schnelle Themenwechsel! 
  • Achten Sie nur auf den Inhalt und sehen Sie über die Form hinweg.
  • Unterbrechen Sie nicht sofort bei unverständlichen Äußerungen oder nicht passenden Wörtern, der Sinn kann sich nachträglich ergeben. 
  • Lenken Sie aber ab und unterbrechen Sie bei hartnäckigen Wortwiederholungen. 
  • Fragen Sie gezielt nach um gemeinsam die Sprachbotschaft zu erzielen. 
  • Verwenden Sie Fragen, die mit "ja" und "nein" beatwortet werden können- offene Fragen oder Alternativfragen können je nach Ausprägung der Störung zu schwer sein!
  • Helfen Sie nicht zu früh mit Wortvorschlägen!
  • Geben Sie Zeit zum Antworten und haben Sie Geduld. Der Aphasiker braucht mehr Zeit. 
  • Hören Sie mit dem Herzen! Denken Sie mit und erschließen Sie das Gesagte aus der Situation.
  • Ermutigen Sie den Aphasiker zur Beteiligung am Gespräch, aber bestehen Sie nicht auf Sprachäußerungen!
  • Nutzen Sie alle Möglichkeiten der Kommunikation (Gestik, Mimik, Bilder, Töne...).
  • Erhöhen Sie nicht die Lautstärke und Tonhöhe!
  • Behandeln Sie Ihren Angehörigen weiter als gleichberechtigten Erwachsenen!
  • Binden Sie Ihn weiter in das Alltagsgeschehen ein und lassen Sie Ihn an Entscheidungen Teil haben!

 

 

Weiter wichtige Informationen...

Therapiebeginn: Die logopädische Therapie sollte so früh wie möglich- sobald es der Allgemeinzustand des Patienten erlaubt- begonnen werden. Häufig erfolgt sie zunächst intensiv im Rahmen einer stationären Rehabilitationsmaßnahme. Danach erfolgt sie ambulant in einer logopädischen Praxis oder zu Hause. 

Hausbesuche: Bei Transport- oder Bewegungsunfähigkeit machen wir gerne Hausbesuche! Dieser muss dann vom behandelnden Arzt verordnet werden. 

Therapieintervalle: Die Therapie erfolgt je nach Verordnung und Ausprägung ein bis dreimal pro Woche 45- 60 min. 

Therapiedauer: Die Therapie kann mehrere Jahre dauern. Sie erfordert Geduld, da das Gehirn sehr komplex aufgebaut ist. In den ersten Wochen in der so-genannten Akutphase kann man das Gehirn häufig sehr gut reaktivieren. In diesem Zeitraum kann es auch zu spontanen deutlichen Verbesserungen und Rückbildungen kommen. Das erste Jahr nach Schlaganfall ist das wichtigste, um die Sprach- und Sprechregionen im Gehirn neu zu strukturieren! Im ersten Jahr können die größten Fortschritte erzilet werden. 

Logopädische Verordnung „Rezept“: Damit eine Behandlung begonnen werden kann, ist die Ausstellung einer logopädischen Verordnung durch eine entsprechende medizinische Fachrichtung erforderlich (z.B. Hausarzt, Neurologe, HNO-Arzt). 

Fragen? Für Fragen stehen wir Ihnen gerne telefonisch zur Verfügung. 

 

Statement S.Heuschkel: 

"Eine Aphasie kann ein starker Einschnitt in das Leben des Patienten und der Angehörigen sein. Das Sprechen und die Sprache- etwas völlig selbstverständliches sind meist von einem Augenblick zu anderen verändert. Man wird mit vielen neuen Eindrücken konfrontiert und hat meist keine Zeit diese zu verarbeiten. Dies berücksichtigen wir in der Therapie. Die Gefühle des Patienten und der Angehörigen erhalten Raum in der Therapie. Gerne stehen wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite."

 

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